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Restaurant Brunegg

Brunaustrasse 61

8002 Zürich

 

Tel: 043 222 48 66

Fax: 043 222 48 07

Brunegg

Eine gute Quartierbeiz – aber kein Spunten

Tages-Anzeiger Regionalteil Zürich, 12. Oktober 2007

Das Restaurant Brunegg in Wollishofen serviert Zürcher Gerichte mit Tradition. Über Mittag hats mehr Gäste als Plätze.

Von Carmen Roshard

Umringt von alten, imposanten Gemäuern, am Fusse des Moränenhügels zwischen Waffenplatzstrasse und Seestrasse im Kreis 2, liegt das Restaurant Brunegg. Das Haus stammt aus den 30er-Jahren. «Quartierbeiz ist in Ordnung», sagt der Wirt Philipp Stalder, aber beim Begriff «Spunten», da stellts ihm ab. «Das war mal, vor zwanzig Jahren », sagt er.

Der pastellgelb gehaltene, helle Raum ist schlicht, die Einrichtung wirkt trendig–kühl: moderne Kunst an den Wänden, gepflegter Blumenschmuck. Spiegel sind hier Trumpf. Ein langer an der Wand, im anderen steht man sich gleich selbst gegenüber, wenn man durch die Eingangstüre tritt. Wenigstens ein bekanntes Gesicht.

Mitten im Durchgangsbereich steht eine hohe gläserne Bodenvase, die es zu umkurven gilt. Ihr Inhalt erinnert an eine überdimensionierte Samichlaus-Fitze. Eine Vorwarnung für alle, die es beim Schlemmen übertreiben wollen?

Knappe Karte

An unserem Tisch zwischen Bar und Treppenabgang fühlen wir uns ein bisschen ausgestellt, aber die Aufmerksamkeit gilt heute einem langen Tisch am Fenster. Besetzt von einer munteren Gästeschar, die gemeinsam einen 50. Hochzeitstag feiert.

Bei Lara, der freundlichen Bedienung, bestellen wir Campari Orange, der in schiefen Gläsern serviert wird – der Orangensaft dazu in separater Karaffe. Die Karte ist übersichtlich, sodass die Wahl nicht zur Qual wird. Am liebsten würde Stalder gar keine Karte auftischen. Sein Traum wäre ein Lokal ohne Speisekarte. Nach dem Motto: «Der Chef empfiehlt, der Gast isst.» Wir essen einen Nüsslisalat mit Balsamico, garniert mit frischen Steinpilzen und Eierschwämmli (13.50), und eine halbe Avocado, gefüllt mit warmem Pilzragout (14.50) – beides schmeckt vorzüglich. Gelockt hätten auch verschiedene Salate, die je nach Gusto mit französischer oder italienischer Salatsauce aus der Bügelflasche am Tisch gewürzt werden. Oder lieber ein halbes Dutzend Schnecken (15.50)?

Die Weinkarte ist ausgeglichen und bietet nebst italienischen und französischen Tropfen auch Einheimisches an. Wir ordern einen Helveticus Ostschweizer Assemblage (7.-/dl). Patriotisch bleiben wir auch beim Züri-Geschnetzelten mit Rösti (37.-). Die Sauce ist schön braun, die Champignons sind frisch und das Fleisch zart. Die Rösti hat eine superknusprige Kruste, könnte aber innen ein bisschen mehr Biss haben. Der wilde Hirsch allerdings war kein Schweizer. Er hat irgendwo in Europa geröhrt, bevor er perfekt gebraten auf den Teller kam. Zart und rosa, in harmonischer Einheit mit gebratenen Spätzli, Marroni und Rotkraut. Dieses leider eine Spur zu lange gegart. Vielleicht ein Tribut an die Jubilare, die nach 50 Ehejahren doch so manches zu kauen gehabt haben? Unsere Tischnachbarn sind von dieser These überzeugt, denn sie verkehren ab und zu im Brunegg. So haben sie denn auch treffsicher die Sensation des Abends bestellt: Kürbiscrèmesuppe mit Amaretto (12.­) – eine Erfindung des Patrons. Und diese Suppe sollte auf keinen Fall ein Geheimtipp bleiben! Der Platz im Magen reicht noch für eine feine Portion Vermicelles im Merengue­Törtchen, garniert mit Feigenstückchen (10.50).

Über Mittag gibts täglich vier wechselnde Menüs (16.- bis 23.-). «Aber», sagt Philipp Stalder, «über Mittag hats mehr Gäste als Plätze». Sollte jemand länger auf der Toilette bleiben, so hat das nichts mit der Qualität des Essens zu tun. Im Brunegg bleiben auch im sanitären Bereich keine Wünsche offen. Dank Zeitungsständer mit «Züri­tipp » ist die Planung für den Rest des Abends gesichert. Nach dem Händewaschen steht noch ein Deodorant parat, und falls nötig kann die ausser sich geratene Frisur mittels Haarlack gebändigt werden. Im Vorraum liegt ein Gästebuch auf. Wer sich nach dem Verschönerungsprogramm genug illuster fühlt, kann sich darin verewigen.

Das Brunegg macht nächste Woche eine wohlverdiente Pause. Ab 22. Oktober sind Philipp Stalder und Mirjam Kälin wieder am Werken. Den Laden führen sie zusammen mit Lara zu dritt. Nur im November und Dezember steht jeweils jemand auf Abruf bereit. Übrigens, hier trifft man auch auf bekannte Einheimische: Chansonnier Michael von der Heide isst das Quartier-Cordon-bleu (39.-), wenns ihn nach währschaft und unkompliziert gelüstet.